Vereinigungskirche

HANDBUCH ORIENTIERUNG: Religionen, Kirchen, Sekten, Weltanschauungen, Esoterik.

Die Vereinigungskirche (koreanisch »Tong II Kyo«; auch >Mun-Sekte) wurde am 15. 5.1954 in Seoul/Südkorea als »Holy Spirit Association for the Unification of World Christianity« von San (»Güte, Richtigkeit«; Geburtsname: Yong, »Drache«) Myung Moon (auch: Mun) gegründet. Moon, geb. am 25. 2. (nach eigenen Angaben an Epiphanias, 6.1.) 1920 in Chongju (heute Nordkorea), erst konfuzianisch, dann presbyterianisch (1948 ausgeschlossen), Visionär (an Ostern 1935 beauftragte ihn »Jesus«, sein Werk zu vollenden), kam seit 1945 in Kontakt mit dem »Messias« Paek Mun Kim (chiliastisch-schwärmerischer »Israel-Orden«, lehrte »Gott-Mensch-Identifikatlon« und »Bluttrennung vom Teufel« auf biologischem Weg), war 1948-50 im kommunistischen Straflager wegen »Unruhestiftung und Bigamie«, mehrmals verheiratet und geschieden. Von seinen Anhängern wird er als der wiederkommende Messias (»Herr der Wiederkunft«) verehrt. Seine Hochzeit mit der 17jährigen Hak-Ja Han am 16. 3. 1960 sei die »Hochzeit des Lammes« nach Offb 19,7 gewesen. Die Zahlenangaben der Anhängerschaft Moons schwanken zwischen mehreren Hunderttausend und drei Millionen in ca. 130 Ländern.

Ziele:

Vereinigung aller Menschen und Religionen untereinander und mit Gott, Errichtung des Reiches Gottes auf Erden durch den wiedergekommenen Messias, Kampf gegen den Kommunismus (z.B. in einem dritten Weltkrieg). Die Vereinigungskirche ist hierarchisch organisiert und besitzt zahlreiche Unter- (bzw. Tarn-) Organisationen, Wirtschaftsbetriebe, (militärische) Trainingslager u.a. Von den Mitgliedern wird Unterwerfung und Abbruch familiärer Bindungen verlangt.

Hauptlehre:

Gott als universale Energie (Tai Chi) polarisiere sich in männlich (Yang) und weiblich (Yin). Diese Polarität finde sich auch im Menschen, der auf göttliche Vollkommenheit hin angelegt sei: in Adam (Yang) und Eva (Yin), in Jesus Christus (zweiter Adam = Yang) und Heiligem Geist (zweite Eva = Yin) sowie in Moon und seiner Frau als dem dritten und vollkommenen Elternpaar. Adam und Eva seien gescheitert, weil Eva Unzucht mit Satan getrieben habe (geistiger und physischer »Fall« und »Erbsünde«). Jesus Christus sei gescheitert, weil er nicht geheiratet und »Kinder des Guten« gezeugt habe. Sein Kreuzestod habe nur eine geistige Erlösung geschaffen; eine leibliche Auferstehung sei nicht erfolgt. Moon und seine Frau als »die wahren Eltern« jedoch ermöglichen durch Erzeugung (»Pfropfung«) sündenfreier Kinder und Übertragung ihrer Kraft bei den Hochzeitszeremonien (Massenhochzeiten ihrer Anhänger) die »Bluttrennung« von Satan (physisch gedachte Aufhebung der »Erbsünde«) sowie die Aufrichtung der Herrschaft Gottes auf Erden durch die Vereinigung aller Rassen, Religionen und Ideologien.

Beurteilung:

Moons Lehren sind von Konfuzianismus, Taoismus, >schamanistischem Spiritismus und koreanischen >Fruchtbarkeitskulten geprägt und eine typisch synkretistische (Misch-)Religion (>Synkretismus), die sich zu Unrecht als christl. bezeichnet. Moon und ähnliche Sektengründer tragen nicht die Züge des wiederkommenden Herrn Jesus Christus, sondern des Antichristen, da sie die Stelle Christi einnehmen möchten. Jesus Christus hat seine Gemeinde vor dem Auftreten >falscher Christusse in der Art Moons gewarnt (Mt 24,4f. 23ff).

Lit.: Y. 0. Kim: Die Göttlichen Prinzipien, dt. 1963. — Kritisch: F.-W. Haack: Jesus Christus und/oder San Myung Mun, 1989; D.-J. Lee: Koreanischer Synkretismus und die Vereinigungskirche, 1991; N.-P. Moritzen: Sun Myung Muns Vereinigungskirche, 1981.

Lothar Gassmann


HANDBUCH ORIENTIERUNG:
Religionen, Kirchen, Sekten, Weltanschauungen , Esoterik

Urheber und Redaktion: Dr. Lothar Gassmann

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