Sri-Chinmoy-Bewegung

HANDBUCH ORIENTIERUNG: Religionen, Kirchen, Sekten, Weltanschauungen, Esoterik.

wurde von dem Bengalen Chinmoy Kumar Ghose gegründet. Mit 11 Jahren, nach dem Tod seiner Eltern, kam er als Schüler in den Aurobindo-Ashram in Pondicherry, wo er über 20 Jahre lebte und seine spirituelle Prägung erhielt. 1964 ging er in die USA, wo er 2 Jahre im indischen Konsulat in New York arbeitete. Seit 1967 trat er öffentlich als "Friedens-Guru" auf und begann, Schüler um sich zu sammeln. Mit Kontakten zu weltbekannten Persönlichkeiten, warb er für seine Idee, dass Spiritualität die Quelle des Weltfriedens sei. Seit 1970 bot er Meditationen im Gebäude der Vereinten Nationen an und versuchte den Eindruck zu erwecken, als handele es sich um eine offizielle Gruppe der UN.

Durch Konzerte, Friedensappelle, Friedensläufe u. andere sportl. Aktivitäten, bei denen die Teilnehmer über sich hinauswachsen sollen, soll das Erlebnis eines »inneren Einsseins mit der ganzen Welt« demonstriert werden. Weil Sri-Chinmoy dieses Einssein bereits erreicht hat, besitzt er aussergewöhnliche Fähigkeiten: Er soll in kürzester Zeit hunderte von Büchern geschrieben, tausende Lieder komponiert, hundertvierzigtausend Bilder gemalt und den Weltrekord im Gewichtheben gebrochen haben. Als der ,,Herabgestiegene (>Avatar) des Gottes Brahma soll er in seinen früheren Leben (Reinkarnation) »Gott-Realisation« erreicht haben und sich auf einer Ebene mit Buddha, Krishna oder Christus befinden, was ihn befähigt, seine Anhänger vom Karma zu befreien. Die Lehre ist geprägt von der Samkhya-Phil. (Hinduismus). Gott ist der »höchste erleuchtete Teil in uns selbst«.

Ziel der Gurugemeinschaft ist es, in der Meditation das »völlige Einssein (Oneness) mit dem Höchsten zu fühlen«, was als ekstatisches Entzücken beschrieben wird. Der Weg dorthin geht ausschließlich über den Guru. Ein Foto, das Sri-Chinmoy in meditativem Trancezustand zeigt, ist das Meditationsobjekt für seine Schüler.

Über das dritte Auge auf der Stirn des Meisters sollen sie in ihn eindringen und mit ihm verschmelzen. Sein Name soll als Mantra benutzt werden, was ebenfalls zu einer intensiven geistigen Abhängigkeit vom Guru führt, der seinen Schülern absoluten Gehorsam abverlangt:

"Wenn Ihr mit nicht gehorcht, revoltiert Ihr gegen den Willen des Supreme (höchste Gottheit) in mir... Dann werdet Ihr völlig verloren sein."

Sri-Chinmoys Ethik ist das Streben nach Reinheit, Verzicht auf Alkohol, Nikotin u. Drogen, streng vegetarische Ernährung und sexuelle Enthaltsamkeit (gilt auch in der Ehe als Ideal, jedoch mit Ausnahmeregelungen). Die Adepten sollen ihre Zeit für die Aktivitäten der Gruppe einsetzen, so dass Ausbildung und Beruf zweitrangig werden.

Gehorsamsübungen:

Seine Maxime lautet: Der Guru kann von seinen Schülern alles verlangen. Um seine Ziele zu erreichen, gibt es eine Liste, in der zwanzig euphorisch vorgeschlagene Demonstrationsprojekte und Pläne aufgeführt sind. Jeder soll sich diese immer wieder vor Augen führen und überlegen, wo er mithelfen kann, um die Projekte zu verwirklichen. Durch Ungehorsam verliert der Schüler das Wohlwollen des Gurus. So heißt es u.a.: ,

"Wenn ihr ...mir nicht gehorcht, wird euch euer Ungehorsam weit, weit, weit, weg von mir tragen. Dann werdet ihr völlig verloren sein, völlig verloren, und meine Anwesenheit wird euch fehlen."

Verbreitung:

Weltweit gibt es ca. 1500 Schüler, die in ca. 60 Zentren zusammengefasst sind (in USA, Australien, England, Deutschland, Schweiz, vermutl. Japan ).

Beurteilung:

Wie in vielen Guru-Gruppen wird der christl. Glaube verfälscht. Jesus Christus wird zum Avatar des westl. Bewusstseins. Sein Wahrheitsmonpol (Joh.14,6) wird geleugnet, an seine Mittlerstelle tritt der Guru. Durch die Meditation geraten die Anhänger in eine >mystisch-dämonische Abhängigkeit.

S. auch: Sekten; >Jugendsekten; Okkultismus; Hinduismus.

Lit.: Handbuch religiöse Gemeinschafften, 1993; T. Gandow: "Guru Chinmoy", 1993

Werner und Monika Deppe


HANDBUCH ORIENTIERUNG:
Religionen, Kirchen, Sekten, Weltanschauungen , Esoterik

Urheber und Redaktion: Dr. Lothar Gassmann

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