Psychodrama

HANDBUCH ORIENTIERUNG: Religionen, Kirchen, Sekten, Weltanschauungen, Esoterik.

Von Jacob L. Moreno entwickelte Methode der Gruppendynamik. In der "Anwärmphase" fordert der Leiter einzelne Teilnehmer auf, ihre Probleme zu nennen. Daraufhin sollen sie in Rollenspielen Szenen aus ihrem Leben darstellen, und zwar problematische Situationen aus der Vergangenheit oder gefürchtete Ereignisse aus Gegenwart und Zukunft. Gefühle sollen frei ausgelebt werden. Andere Gruppenmitglieder übernehmen die Rolle des Gatten, des Vaters usw. Plötzlich geschieht ein Rollentausch, und die Mitspieler stehen sich gleichsam selber gegenüber. – Eine andere Methode ist z. B. der "Doppelgänger" ("Hilfs-Ich"), mit dem der Teilnehmer ein inneres Zwiegespräch führt, um seine Probleme zu lösen. Solche Rollenspiele lassen sich nicht mit einer Theaterrolle vergleichen. Der Schauspieler am Theater übernimmt eine Rolle auf Zeit und spricht verfremdet wie durch eine Maske. Er spielt festgelegte und einstudierte Charaktere. Er bleibt er selber. Der Akteur im psychodramatischen Rollenspiel hingegen wird vom Trainer dahin gebracht, sich seiner alten Identität zu entfremden und sich selber als Person zu hinterfragen (Identitätskrise!). Er soll "verbluten nach aussen" (Moreno).

Beim Soziodrama werden die Techniken des P.s kollektiv eingesetzt, d. h. der Rollentausch wird von ganzen Gruppen vollzogen. Das Soziodrama kann z. B. als Mittel zur Veränderung von Gesellschaftsstrukturen angewandt werden: Sozialer Wandel wird im Spiel erprobt, vorbereitet und dann in Alltagswirklichkeit umgesetzt (wobei letzteres allerdings kaum je gelungen ist; Transferproblematik!)

Bei Moreno finden sich sämtliche Kennzeichen einer Ideologie:

Hier sei die grundsätzliche Frage eingeschoben, ob (vor allem auch von Christen) Methoden einfach übernommen werden können, ohne die Absichten ihres Urhebers zu beachten oder bekannt zu geben, wie dies heute vielfach geschieht. Kann ein schlechter Baum gute Früchte bringen (Mt 7,17)? Weiner erinnert daran, dass "Moreno mehr als eine Persönlichkeitstheorie ... entwickelte; wir glauben, dass seine Philosophie im Wesentlichen eine soziale Theorie mit politischen Akzenten ist". Moreno sei "ein Revolutionär und Radikaler" (H. J. Weiner, Rollentherapie und Rollenspiel, in: Petzold, ebd., 64).

Zur Beurteilung: s. Gruppendynamik; Seelsorge; Humanistische Psychologie.

Lit.: J. L. Moreno, Gruppenpsychotherapie und Psychodrama, 1959. – Kritisch; L. Gassmann, Fühlen statt zu denken, 1991.

Lothar Gassmann

Moreno, Jacob Levi: Psychodrama


HANDBUCH ORIENTIERUNG:
Religionen, Kirchen, Sekten, Weltanschauungen , Esoterik

Urheber und Redaktion: Dr. Lothar Gassmann

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