Israel

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Israel in der Endzeit:

In der Bibel wird mehrmals der Feigenbaum als Symbol für Israel verwendet. Weil er keine Frucht bringt, muss er verdorren, doch am Ende der Zeiten wird er wieder grünen (Mt 21,18-20; 24,32 f.). Der Apostel Paulus erklärt dieses Geheimnis:

"Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren solange, bis die Fülle der Heiden zum Heil gelangt ist; und alsdann wird das ganze Israel gerettet werden" (Röm 11,25 f.).

Das jüdische Volk hat also wegen seiner Ablehnung Jesu als Messias ein doppeltes Gericht erleiden müssen: die geistliche Verstockung und die Zerstreuung unter alle Völker. Letztere hat – von Jesus ebenfalls angekündigt (Lk 21,20-24) – im Jahre 70 nach Christus mit der Eroberung Jerusalems durch die Römerheere und der Zerstörung des Tempels als religiösem Zentrum ihren Anfang genommen. Doch am Ende der Zeiten – so ist vorausgesagt – wird sich das Schicksal des jüdischen Volkes wenden. In unübertrefflicher Symbolik hat der Prophet Hesekiel die Wiederherstellung Israels bereits vor rund zweieinhalbtausend Jahren zum Ausdruck gebracht. In Hes 37 lesen wir, wie zuerst die verdorrten Totengebeine zusammenrücken – das verstreute Volk wird gesammelt. Dann bläst Gott Atem in sie – das Volk wird geistlich erneuert:

"So spricht Gott der Herr: Siehe, ich will eure Gräber auftun und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraus und bringe euch ins Land Israels ... Und ich will meinen Atem in euch geben, dass ihr wieder leben sollt, und will euch in euer Land setzen, und ihr sollt erfahren, dass ich der Herr bin"
(Hes 37,12.14; vgl. auch Jes 11,11f.; 43,5f.; 60,8f.; Sach 8,7f. und andere Verheißungen).

An dieser Stelle sind einige Anmerkungen notwendig. Die Kapitel Hesekiel 36-39, die für die endzeitliche Israel-Prophetie von großer Bedeutung sind, enthalten immer wieder den ausdrücklichen Hinweis, dass viele dieser Voraussagen "in den letzten Tagen" eintreffen werden (vergleiche Hes 37,24-28; 38,8.16). Eine rein zeitgeschichtliche Deutung – etwa (nur) auf das babylonische Exil – wird den Texten also nicht gerecht (zumal in den prophetischen Texten immer wieder von einer weltweiten Zerstreuung die Rede ist, was damals nicht der Fall war). Dies gilt auch für viele andere Stellen in der biblischen Prophetie. Daneben gibt es auch die Möglichkeit einer "Mehrfach-Erfüllung". So kann sich zum Beispiel Mt 24,15-20:

Meines Erachtens haben ferner die Ausleger nicht recht, die alle endzeitlichen Verheißungen für Israel einfach auf die christliche Gemeinde beziehen. Sie müssen Texte wie die oben genannten außer acht lassen oder gewaltsam umdeuten. Treffend bemerkt der Missionar und Islam-Experte Marius Baar zu dieser "Substitutions-Theorie" :

"Für mich persönlich war es ein Schock und eine Offenbarung, als ich erkennen musste, dass falsche Prophetieauslegung bis in manche evangelikalen Kreise hinein gelehrt und vertreten wird ... Die Übertragung der Verheißungen an Israel auf die Kirche respektiv auf die Gemeinde macht ihre Anhänger immun gegen die Prophetie der Endzeit. Aus ihr sind der Antisemitismus und der heutige Antizionismus entsprungen ... Dadurch, dass auch viele Christen prophetieblind sind und sich somit auf die antisemitische Welle manipulieren lassen, werden sie plötzlich, ohne es zu merken, an der Seite des Antichristen stehen" (Zeitbomben der Weltgeschichte, 1991, 21).

Die deutlichste Bestätigung der biblischen Israel-Prophetie ist die Beobachtung, dass die Rückkehr der Juden nach Palästina seit Ende des 19. Jahrhunderts tatsächlich eingetreten ist und sich bis heute fortsetzt – ein in der Weltgeschichte einzigartiger Vorgang! Noch nie zuvor hatte man von einem Volk gehört, das nach einer fast zweitausendjährigen Zerstreuung seine Identität erhalten hat und wieder in sein Land zurückkehrt. In den Kriegen 1948, 1956, 1967 und 1973 – jeweils gegen eine rund fünfzigfache Übermacht - 

"vollzogen sich Dinge, die selbst ungläubige Beobachter an die in der Heiligen Schrift berichteten Wundertaten erinnerten, wie sie aus den Tagen der ersten Landnahme unter Josua aus der Väterzeit überliefert sind" (F. Hubmer, Der Heilsplan Gottes, 1987, 147).

Die bewahrende Hand Gottes war auch beim Golfkrieg 1991 zu spüren. 39 irakische Raketen fielen nach offiziellen Angaben auf Israel, doch nur ein (!) Israeli starb durch unmittelbare Raketeneinwirkung. Beim Sechstagekrieg 1967 erfüllte sich darüber hinaus eine weitere biblische Prophezeiung: Wiederum gegen eine vielfache Übermacht kämpfend, errang Israel in einem Blitzangriff einen ans Wunderbare grenzenden Sieg und eroberte am 7. Juni die Jerusalemer Altstadt zurück. Vor der Klagemauer stehend, rief General Moshe Dayan aus:

"Wir sind zur allerheiligsten unserer heiligen Stätten zurückgekehrt und werden nie mehr von hier weichen!"

Jesus hatte es vorausgesagt:

"Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis die Zeit der Heiden erfüllt ist" (Lk 21,24).

Der Staat Israel wurde somit in politischer Hinsicht wieder ins Leben gerufen – die Totengebeine aus Hesekiel 37 sind zusammengerückt. Aber der Atem Gottes ist noch nicht in ihnen – die geistliche Erneuerung Israels und die Annahme Jesu als Messias steht noch aus (trotz einer kleinen, aber wachsenden Schar jesusgläubiger, messianischer Juden). Wir sollten uns deshalb vor einer unnüchternen Israel-Begeisterung genauso hüten wie vor einer Verteufelung dieses Landes, wie sie uns leider oft in den Massenmedien begegnet. Der neu entstandene Staat Israel ist nicht das Reich Gottes. Seine Politiker sind fehlbar wie alle Menschen. Und doch bildet die Existenz dieses Staates die Grundlage dafür, dass wichtige biblische Prophezeiungen für die Endzeit in Erfüllung gehen können. Es seien nur die folgenden genannt:

Von der Rolle, die Israel im Rahmen der endzeitlichen Völkerschlacht, eines kommenden Weltkrieges, spielen wird, lesen wir in Sacharja 12:

"Von Israel spricht der Herr, der den Himmel ausbreitet und die Erde gründet und den Atem des Menschen in ihm macht: Siehe, ich will Jerusalem zum Taumelbecher zurichten für alle Völker ringsumher und auch Juda wird's gelten, wenn Jerusalem belagert wird. Zur selben Zeit will ich Jerusalem machen zum Laststein für alle Völker. Alle, die ihn wegheben wollen, sollen sich daran wund reißen; denn es werden sich alle Völker auf Erden gegen Jerusalem versammeln" (Sach 12,1-3).

Zu der Zeit wird Israel Jesus als seinen Messias erkennen:

"Aber über das Haus Davids und über die Bürger Jerusalems will ich ausgießen den Geist der Gnade und des Gebets. Und sie werden mich ansehen, den sie durchbohrt haben" (Sach 12,10).

Dies schreibt der Prophet Sacharja ca. 550 Jahre vor Jesu Kreuzestod (vgl. Joh 19,34) und Jahrtausende vor dem Eintreffen der endzeitlichen Ereignisse!

Lit.: L. Gassmann, Was kommen wird, 2002.

Lothar Gassmann

Substitutions-Theorie (lat. substitutio = Ersatz): In der Theologie bezieht sich dieser Begriff insbesondere auf den Übergang der Heilsverheißungen für Israel auf die Gemeinde im Neuen Bund.

S. hierzu: Israel


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Urheber und Redaktion: Dr. Lothar Gassmann

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