Donatismus

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Schon bald nach dem Tod der Apostel drang in die noch junge Kirche ein von Sakramenten und Riten geprägtes Heilsverständnis ein (>Sakramentalismus). Langsam formte sich ein Kirchenbegriff und eine Glaubenspraxis, die zu dem führte, was wir heute in der Orthodoxen Ostkirche oder in der Römisch-Katholischen Kirche sehen. Der Donatismus war eine nur auf diesem Hintergrund zu verstehende, ernste Glaubensbewegung. Er entwickelte sich im 4. Jahrhundert zu einer einflussreichen Teilkirche, im Gebiet des heutigen Tunesiens und Algerien. Die Vertreter des Donatismus wandten sich gegen die Bekenntnis- und Leidensscheu der Katholischen Kirche ihrer Zeit. Der Donatismus versuchte, eine reine und heilige Kirche zu sein. Die Heiligungslehre des Donatismus beruhte zwar nicht auf der absoluten Heiligkeit aller seiner Anhänger, wie es 100 Jahre vorher noch die Novatianer vertraten, aber auf der Heiligkeit ihres Priesterstandes. Nur wirklich treue, heilige und im Ernstfall zum Martyrium bereite Priester können nach Meinung des Donatismus gültige Sakramente spenden. Sakramente von unwürdigen Priestern sind nach Meinung der Donatismus unwirksam. Sakramente, die an Menschen, welche in Todsünden leben, gespendet werden, sind ebenfalls unwirksam. Obwohl die Donatismus den gleichen, fast magischen Sakramentsbegriff wie die Katholiken hatten, führte ihre strenge Haltung zum Bruch mit der Katholischen Kirche im westlichen Nordafrika.

Den Namen Donatismus bekam die Bewegung von Bischof Donatus dem Großen (316-355). Die Anfänge des Donatismus lagen in der letzten altrömischen, der sogenannten diokletianischen, Christenverfolgung (303-305). Bischof Mensurius von Karthago ging, unterstützt von einer Gruppe um Archidiakon Caecilian, starke Kompromisse mit der antichristlichen Obrigkeit ein. Er missbilligte die Haltung von Gemeindegliedern, die in der Verfolgungszeit zum Märtyrertod bereit waren, und soll sogar, um Repressalien durch den Staat zu entgehen, heilige Bücher an die römischen Behörden ausgeliefert haben. Nach seinem Tod wurde Caecilian zu seinem Nachfolger geweiht (311). Die Donatisten erklärten diese Weihe für ungültig, da sie von Bischöfen mit vollzogen wurde, die in der Verfolgung abgefallen waren. Bischof Felix v. Abthugien stand besonders in der Kritik. Die Donatisten weihten, mit Unterstützung katholischer numidischer Bischöfe, Lektor Majarinus zum Gegenbischof. Damit war die Kirchenspaltung in Karthago vollzogen. Bischof Donatus von Casae nigrae (Donatus d. Große) war die eigentlich prägende Gestalt der neuen Bewegung. Er wurde Nachfolger von Majarinus (316). Während die Katholiken die Gültigkeit ihrer Sakramente an die "Heiligkeit" der Institution Kirche banden, knüpften die Donatisten die Gültigkeit der Sakramente an die "Heiligkeit" der Personen, die die Sakramente spendeten. Die Ablehnung der laxen Katholischen Kirche durch die Donatisten war so radikal, dass die Donatisten, unter Berufung auf den Kirchenlehrer Cyprian, die Wiedertaufe an von der Katholischen Kirche übergetreten Menschen vollzogen. Für sie war die katholische Taufe, da möglicherweise von unwürdigen Priestern vollzogen, ungültig. Mit seiner strengen Haltung stand der Donatismus in der Märtyrertradition, um deren Willen sich schon die Kirchenväter Tertullian (160-220) und Cyprian (200-258) im 3. Jahrhundert von der Katholischen Kirche trennten. Reste ihrer rigoristischen Bewegungen gingen teilweise im Donatismus auf.

Da Kaiser Konstantin den Donatisten Zuwendungen, die die Katholische Kirche bekam, versagte, legten diese Beschwerde ein. Die Synoden von Rom (313) und von Arles (314) mussten auf Antrag die Angelegenheit untersuchen. Sie bestätigten die Rechtmäßigkeit des Versagens von staatlichen Hilfen an die Donatisten. Nach verschiedenen, teilweise auch gewaltsamen Versuchen, die Donatisten der Katholischen Kirche wieder einzugliedern, kam es 411 zu offiziellen Lehrgesprächen. Augustin vertrat die katholische Seite. Der kaiserliche Kommissar sprach am Ende der Disputation den Katholiken den Sieg zu. Daraufhin verlangte die Katholische Kirche und Augustin das Eingreifen des christlichen Staates gegen die Abtrünnigen. Der nun folgende staatliche Druck drängte die Donatisten dann auch stark zurück. Während der späteren Völkerwanderung hatten die Donatisten schreckliche Verfolgungen durch die Vandalen zu erleiden. Mit dem aufkommenden Islam verlieren sich ihre Spuren im 8. Jahrhundert.

Der Versuch, eine in sich reine und heilige Kirche darzustellen, wurde auch später immer wieder unternommen. Die Katharer versuchten es im Mittelalter. Während der Reformationszeit gab es in Teilen des Täufertums ähnliche Tendenzen. Die Lutheraner wanden sich in der CA VIII ausdrücklich dagegen, die Wirkung der Sakramente an die Würdigkeit des spendenden Pfarrers zu binden. Auch im Puritanismus und den späteren Heiligungsbewegungen finden sich Tendenzen der Herstellung einer reinen Gemeinde, die allerdings, da man in diesen Kreisen nicht sakramentalistisch ausgerichtet war, nur bedingt mit den Donatisten zu vergleichen sind. Ohne dass sie sich dazu bekennen würden, sind heute in verschiedenen konservativen, traditionalistischen katholischen Kreisen Tendenzen, die an den Donatismus erinnern, erkennbar (Traditionalismus).

S. auch: Katholisches Kirchenverständnis; Reformatorisches Kirchenverständnis; Täuferisches Kirchenverständnis.

Lit.: W. H. C. Frend, The Donatist Church, 1952;  G. Haendler, Von Tertulian bis zu Ambrosius, I/3, 1978; R. Wagner, Gemeinde Jesu zwischen Spaltungen und Ökumene, 2002.

Rainer Wagner


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Urheber und Redaktion: Dr. Lothar Gassmann

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